Auf dieser Seite finden Sie musikalische Gedanken zu einzelnen Gottesdiensten in der Christuskirche. Die Texte wollen keine vollständigen Programme liefern, sondern hörend erschließen, wie Musik und Liturgie miteinander in Beziehung treten.

5. Sonntag nach Trinitatis – In die Tiefe fahren gegen jede Erfahrung (5. Juli 2026)

Am 5. Sonntag nach Trinitatis geht es um ein existenzielles Wagnis: gegen jede menschliche Logik und Routine noch einmal dorthin aufzubrechen, wo man eigentlich schon gescheitert ist. Die biblische Erzählung führt uns aufs tiefe Wasser – dorthin, wo die Netze vor Überlastung reißen und das menschliche Begreifen an seine Grenzen stößt.

Zwei populäre Songs rahmen den Gottesdienst musikalisch ein und spiegeln diesen Weg vom Aufbruch bis zum Neubeginn wider.

Zu Beginn steht „Orinoco Flow (Sail Away)“ von Enya. Ein markantes, rhythmisches Muster auf den Tasten lässt sofort an Wellen, Bewegung und das Aufbrechen auf den offenen Ozean denken. Es bringt eine mystische Weite in den Raum – das Boot legt ab, die Reise ins Ungewisse beginnt.

Zum Abschluss erklingt „Fix You“ von Coldplay. Der Song setzt da an, wo das menschliche Bemühen an seine Grenzen stößt: „When you try your best, but you don't succeed...“ – genau wie die Fischer nach einer langen Nacht ohne Fang. Aus einer intimen, fast sakralen Melodie bricht im hinteren Teil des Songs ein gewaltiger, dynamischer Klangteppich aus. Ein musikalisches Spiegelbild für den Moment, in dem das Unerwartete die eigenen Sicherheiten durchbricht und aus dem Scheitern ein neuer, getragener Weg erwächst.

So entsteht ein klarer musikalischer Bogen: Am Anfang der Aufbruch auf das weite Meer, am Ende das Aufgefangenwerden, wenn die eigenen Kräfte versagen.

Vom Hunger zur Tischgemeinschaft - 3. Sonntag nach Trinitatis (21. Juni 2026)


Am 3. Sonntag nach Trinitatis geht es um Ferne und Heimkehr, um Hunger und Sättigung – und um die Erfahrung, dass der Weg zurück nicht in eine verschlossene Tür führt, sondern an einen gedeckten Tisch.

Musikalisch greifen zwei Stücke diese Bewegung auf. „Homeward Bound“ von Simon & Garfunkel erzählt von der Sehnsucht nach Zuhause: von der Müdigkeit des Unterwegsseins, aber auch von der Hoffnung, wieder anzukommen. Es ist ein Lied der Ferne – und zugleich schon ein leiser Blick in Richtung Heimkehr.


Am Ende steht „Come to the Table“ von Sidewalk Prophets. Hier wird aus der Heimkehr Tischgemeinschaft: Die Müden, Hungrigen, Zweifelnden und Suchenden sind eingeladen. Nicht Perfektion ist die Eintrittskarte, sondern Bedürftigkeit. So klingt in diesem Lied etwas vom Evangelium dieses Sonntags auf: Wer zurückkommt, findet nicht Abrechnung, sondern Brot, Nähe und Gemeinschaft.

So entsteht ein musikalischer Weg:
 aus der Ferne zurück an den Tisch.


Sommerfest in Wilstedt (7. 6. 2026) -
Schätze sammeln

 

Am Sonntag, den 7. Juni 2026, erklingt im Open-Air-Familiengottesdienst zum Sommerfest Musik zwischen Sommerlicht und Gemeinschaft. 


Zu Beginn steht „Here Comes the Sun“ von George Harrison. Das Stück bringt eine helle, warme und zuversichtliche Stimmung mit: Musik wie ein Sonnenstrahl, der nach dunkleren Tagen wieder durchbricht. Unter freiem Himmel eröffnet es den Gottesdienst leicht, freundlich und voller Sommerklang.

Zum Abschluss erklingt „Count on Me“ von Bruno Mars. Der Song erzählt von Verlässlichkeit, Freundschaft und dem einfachen, kostbaren Versprechen: Du kannst auf mich zählen. Damit nimmt die Musik den Gedanken auf, dass die wertvollsten Schätze oft nicht in Kisten liegen, sondern in Menschen, die füreinander da sind.

So rahmen zwei populäre Songs den Gottesdienst musikalisch ein: Am Anfang das Licht, am Ende die Gemeinschaft.

Trinitatis – Gott in Beziehung (31. 5. 2026)

Am Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest Trinitatis. Es lädt dazu ein, über Gott nicht als ferne, einsame Macht nachzudenken, sondern als lebendige Beziehung: Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist – Ursprung, Nähe und Atem des Lebens.

Auch die Musik des Gottesdienstes nimmt dieses Thema auf. Zu Beginn erklingt „Glorify Thy Name“ von Donna Adkins. Das Lied entfaltet in einfacher und klarer Weise den Lobpreis auf Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist werden nacheinander angerufen – und doch bleibt es ein einziger Gesang.

Nach der Predigt führt „Trinity Song“ von Sandra McCracken in eine Zeit der Stille. Dieses ruhige, meditative Lied öffnet einen Raum, in dem das Geheimnis der Dreieinigkeit nicht erklärt werden muss, sondern nachklingen darf: Gott ist nicht starr und fern, sondern gegenwärtig in Liebe, Gemeinschaft und Bewegung.

Zum Ausgang erklingt „How Great Is Our God“ von Chris Tomlin, Jesse Reeves und Ed Cash. Der bekannte Worship-Song weitet den Blick noch einmal: auf die Größe Gottes, die sich nicht in Machtgebärde erschöpft, sondern in Beziehung, Zuwendung und Frieden sichtbar wird.

So entsteht musikalisch ein kleiner trinitarischer Weg durch den Gottesdienst:
 Anrufung – Betrachtung – Sendung.


Gottesdienst am Pfingstsonntag –

Verstehen wir uns?

An Pfingsten feiern wir den Geist, der Menschen verbindet. Die biblische Erzählung berichtet von einem Brausen wie von einem Sturm, von Feuerzungen und davon, dass Menschen einander plötzlich verstehen – über Grenzen, Sprachen und Herkunft hinweg.

Im Gottesdienst fragen wir: Welche Sprache sprechen wir? Die Sprache der Angst oder die der Liebe? Eine Sprache, die trennt – oder eine, die Brücken baut?

Musikalisch wird dieser Gedanke aufgenommen: Zu Beginn erklingt „Open the Eyes of My Heart, Lord“ von Paul Baloche – als Bitte darum, mit geöffnetem Herzen zu hören, zu sehen und zu verstehen. Am Ende steht „Shine, Jesus, Shine“ von Graham Kendrick – ein helles Lied des Aufbruchs, das den Segen musikalisch weiterträgt.

So wird Pfingsten hörbar als Fest der offenen Herzen, der neuen Verständigung und des Lichtes, das weitergegeben werden will.


Gottesdienst an Christi Himmelfahrt:

 „Briefe zwischen Himmel und Erde“

An Christi Himmelfahrt feiern wir in der Christuskirche einen etwas anderen Gottesdienst: nicht als fertige Antwort, sondern als offenen Briefwechsel. Unter dem Titel „Briefe zwischen Himmel und Erde“ geht es um Abschied und Nähe, um Fragen, die bleiben dürfen, und um die Hoffnung, dass Gott nicht einfach fern ist, sondern anders gegenwärtig.

Die biblische Erzählung von der Himmelfahrt Jesu zeigt Menschen, die nach oben schauen und nicht wissen, wie es weitergeht. Genau in diesem Zwischenraum bewegt sich der Gottesdienst: zwischen Erde und Himmel, Zweifel und Vertrauen, Sehnsucht und Trost. Persönlich formulierte Briefe, Gebete, Stille und Lieder öffnen einen Raum für Gedanken, die keinen fertigen Glauben brauchen.

Ein besonderer Moment ist das Gospel-Lied „His Eye Is on the Sparrow“: ein Lied von der stillen Gewissheit, dass kein Leben übersehen wird. Gerade dort, wo Gott nicht greifbar scheint, klingt darin die Zusage an: Du bist nicht allein. Du bist gesehen. Du bist gehalten.

Herzliche Einladung zu einem Gottesdienst, der nicht alles erklären will – aber vielleicht spüren lässt, dass zwischen Himmel und Erde mehr Verbindung ist, als wir sehen.


Gottesdienst am 19. 4. 2026 -

 Misericordias Domini

 

Im Gottesdienst am 19. April erklingen drei Lieder, die den Gottesdienst wie ein innerer Weg begleiten: „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer zu Beginn, „One“ von U2 nach der Predigt und „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel zum Schluss. Jedes dieser Stücke setzt einen eigenen Ton – zwischen Erinnerung, Verbundenheit und Zuspruch. 

 


„Der Weg“ – Herbert Grönemeyer 

Zu Beginn steht mit Der Weg ein Lied, das von Erinnerung, Dankbarkeit und dem Weitergehen spricht. Es ist kein lauter Auftakt, sondern ein stilles Ankommen: bei dem, was war, bei dem, was geprägt hat, und bei dem, was bleibt.
Hier der Link zum Musikvideo.

 


„One“ – U2 

Nach der Predigt erklingt One von U2. Das Lied spricht nicht von einfacher Harmonie, sondern von Verbundenheit, die auch Spannungen und Brüche kennt. Gerade darin liegt seine Stärke: Menschen bleiben aufeinander verwiesen, sie tragen einander mit – auch durch Übergänge und Veränderungen hindurch. So wird das Lied zu einem musikalischen Nachklang dessen, was Gemeinschaft bedeuten kann.
Hier der Link zum Musikvideo.

 


„Bridge Over Troubled Water“ – Simon & Garfunkel
Am Schluss steht mit Bridge Over Troubled Water ein Lied voller Trost und Verheißung. Das Bild der Brücke über unruhigem Wasser spricht von Begleitung, Entlastung und Vertrauen. In einem Gottesdienst des Abschieds wird daraus ein starker musikalischer Segen: für den Weg, der hinter uns liegt, und für den, der nun vor uns liegt.
Hier der Link zum Song.

Gottesdienst am 12. 4. 2026 - Quasimodogeniti

Zu Beginn: Johann Gottfried Walther: "Meinen Jesum lass ich nicht"
Zu Beginn des Gottesdienstes erklingt Johann Gottfried Walthers Choralbearbeitung Meinen Jesum lass ich nicht. Die Musik verbindet innere Ruhe mit fester Zuversicht. So steht am Anfang ein Klang des Vertrauens: ein stilles Festhalten an Christus, das durch den Gottesdienst hindurchträgt. 


Nach der Predigt: Carole King: "You´ve Got A Friend"

Nach der Predigt zu Jesaja 40,26–31 erklingt am Flügel ein Lied, das auf ganz menschliche Weise von Trost, Nähe und Begleitung spricht.

Der biblische Text erinnert daran, dass Gott den Müden Kraft gibt und Menschen auf ihrem Weg nicht vergisst. You’ve Got a Friend übersetzt diesen Gedanken in eine schlichte, unmittelbare Sprache: Da ist jemand, der mitgeht, der trägt, der nicht allein lässt. So kann das Stück nach der Predigt zu einer Einladung werden, im eigenen Leben nach Spuren solcher stärkenden Gegenwart zu fragen.
Hier geht es zu einer Version des Songs.


Zum Abschluss: "He shall feed his flock" aus dem Messias von Georg Friedrich Händel

Am Ende des Gottesdienstes weitet sich der Blick noch einmal. Mit Händels He shall feed his flock like a shepherd erklingt an der Orgel eine Musik, die Gottes Größe nicht als Machtgestus, sondern als Fürsorge hörbar macht.

Der Gott, von dem Jesaja sagt, dass er die Sterne beim Namen ruft, ist zugleich der, der die Seinen wie ein Hirte sammelt und trägt. So wird dieses Nachspiel zu einem ruhigen Ausklang: nicht laut und triumphierend, sondern wie ein Segen in Tönen — ein Bild für die Kraft Gottes, die behutsam begleitet.
Hier geht es zur Originalversion der Arie.


Gottesdienst in der Osternacht 2026

 

Nach dem Ankommen und der Begrüßung: Arvo Pärt – Für Alina 

Zu Beginn der Osternacht erklingt Arvo Pärts Für Alina. Das Stück war bereits am Karfreitag vor dem Verlöschen der Kerzen zu hören. In der Osternacht begegnet es uns nun erneut – nicht mehr als Klang des Abschieds, sondern als stiller Anfang im Dunkel. So entsteht ein musikalischer Bogen über die Feiertage hinweg: Was am Karfreitag ins Schweigen führte, wird in der Osternacht noch einmal aufgenommen und verwandelt. Noch ist das Licht nicht sichtbar, aber in der Stille beginnt schon etwas zu klingen, das auf Ostern hinweist.
Hier eine Version zum "Nachhören".

 
Zwischen den sieben Deutungen der Menora erklingen auf der Bassblockflöte einzelne Töne. Es sind keine kleinen Melodien und keine musikalischen Kommentare, sondern schlichte Klangzeichen. Jeder Ton steht für sich – wie ein Ruf, wie ein Atemzug, wie ein Moment des Hörens. Nach jedem Wort über Gottes Gegenwart bleibt der Klang einen Augenblick im Raum und führt in die Stille zurück.

Dass hier zunächst nur einzelne Töne erklingen, ist kein Mangel, sondern Absicht: Gottes Name lässt sich nicht ausdeuten, nicht auskomponieren, nicht festhalten. Er wird angerufen, gehört, erahnt. So antwortet die Flöte nicht mit einer fertigen Aussage, sondern mit tastenden Spuren von Klang.

Die sechs Einzeltöne lassen sich wie sechs Schritte auf dem Weg durch die Nacht hören: Lichtzeichen, Wegmarken, Atem des Vertrauens. Jeder Ton ist für einen Augenblick da und vergeht wieder – und gerade darin erinnert er daran, dass Gottes Gegenwart sich oft nicht im Großen, sondern im Einfachen, im Flüchtigen, im leisen Hören zeigt.

Am Schluss stehen zwei Töne. Sie bilden keinen drängenden Abschluss, keinen Leitton, der nach Auflösung verlangt. Stattdessen öffnen sie einen Raum. Aus dem einzelnen Ruf wird eine Beziehung, aus dem einsamen Klang ein Gegenüber, aus dem Hören ein erster Ansatz von Antwort. Die Töne bleiben bewusst offen: Noch ist Nacht. Noch ist die Osterkerze dunkel. Aber im Klang ist schon eine Richtung spürbar – nicht als fertige Erfüllung, sondern als Verheißung.

So werden die Töne zwischen den Menorakerzen zu kleinen Zeichen des Weges: schlicht, verletzlich, hörbar und gleich wieder vergehend – und gerade darin voller Gegenwart.


Zwischen Tauferneuerung und Evangelium: „Christus, dein Licht“ (Taizé) 

Zwischen Tauferinnerung und Evangelium erklingt mit "Christus, dein Licht" ein Lied aus Taizé in schlichter instrumentaler Gestalt. Taizé-Gesänge leben von ihrer Einfachheit, ihrer meditativen Wiederholung und ihrer besonderen Fähigkeit, einen inneren Raum der Sammlung zu öffnen. Gerade an dieser Stelle der Osternacht passt das Lied deshalb besonders gut: Nach dem Zuspruch am Wasser ist der Name des Menschen noch einmal mit Gottes Verheißung verbunden worden – und doch steht die Osterkerze in der Mitte noch dunkel. Noch ist Nacht. Noch ist das Licht nicht sichtbar, aber es ist schon gegenwärtig als Ahnung, als Verheißung, als leiser Ruf. So wird "Christus, dein Licht" hier zu einer musikalischen Schwelle zwischen Taufe und Evangelium: ein stiller Klang des Vertrauens, der das Kommende nicht vorwegnimmt, aber innerlich darauf vorbereitet. 

 

Vor dem Abendmahl: The Proclaimers – „Streets Of Edinburgh“ 

Nach der Deutung und der Stille erklingt mit Streets of Edinburgh ein Lied, das Ostern nicht fern der Welt, sondern mitten in ihr verortet. Der Song erzählt von Straßen voller Spuren, Erinnerungen und Geschichten – von Lebenden und Toten, von Vergangenheit und Gegenwart. Gerade darin berührt er die Osterbotschaft: Maria bleibt nicht am Grab, sondern wird gerufen, aufgerichtet und zurück ins Leben gesandt. Ostern geschieht nicht außerhalb unserer Wirklichkeit, sondern auf unseren Wegen, inmitten unserer Brüche und Hoffnungen. So wird das Lied an dieser Stelle zu einer leisen musikalischen Ahnung davon, dass das Leben sich erneuert — mitten auf den Straßen der Welt. 

Streets of Edinburgh erinnert auch daran, dass Jesus seinen Weg nicht durch eine heile Welt ging, sondern durch die Straßen des wirklichen Lebens – voller Geschichten, Wunden, Erinnerungen und Hoffnung. Gerade darin berührt das Lied die Osterbotschaft: Der Auferstandene begegnet uns nicht fern der Welt, sondern mitten auf ihren Wegen.

Hier ist das offizielle Musikvideo zum Song.

Zum Schluss: Johann Valentin Rathgeber – Schlag-Arie Nr. 1 F-Dur 

Am Ende der Osternacht steht mit Johann Valentin Rathgebers Schlag-Arie Nr. 1 in F-Dur bewusst ein Stück, das Leichtigkeit wagt. Nach allem, was diese Nacht an Dunkelheit, Sehnsucht, Hoffnung und Osterlicht in sich trägt, erklingt keine monumentale Festmusik, sondern ein heiteres barockes Nachspiel. Die Hoffnung, die die Liturgie durch die Nacht hindurch getragen hat, ist nun nicht mehr nur Verheißung, sondern erfüllte Hoffnung: Das Licht ist entzündet, die Osterbotschaft ist gehört, das Leben hat neu Gestalt gewonnen. Der Benediktinermönch Rathgeber, sonst vor allem als Kirchenkomponist bekannt, darf hier gewissermaßen mit einem kleinen musikalischen Lächeln das letzte Wort haben. Vielleicht ist das sogar sehr österlich: nicht nur der Ernst des Glaubens, sondern auch seine befreite Freude, nicht nur das Halleluja, sondern auch ein feines Oster-Augenzwinkern. Denn wo die Hoffnung sich erfüllt und das Leben den Tod überwindet, darf am Ende auch die Musik lächeln.

Gottesdienst an Karfreitag 2026

Arvo Pärt – Variationen zur Gesundung von Arinushka
Zu Beginn der Karfreitagsandacht steht mit Arvo Pärts Variationen zur Gesundung von Arinushka ein Werk, das in schlichter Klarheit einen Raum der Sammlung eröffnet. Die Musik wirkt zugleich zart und konzentriert: nicht pathetisch, sondern wie ein tastendes Suchen nach Halt. So führt sie in eine Andacht hinein, die von Klage, Stille und der Frage nach dem Leiden geprägt ist.

Arvo Pärt – Für Alina
Nach dem Verlöschen der Kerzen

Wenn die Kerzen verlöschen und der Raum stiller wird, tritt mit Für Alina eine Musik hinzu, die fast nur noch aus einzelnen Klangspuren besteht. Arvo Pärt verzichtet hier auf jede äußere Geste; übrig bleibt eine zerbrechliche, beinahe sprachlose Innigkeit. Gerade an dieser Stelle der Andacht wird die Musik zu einem stillen Echo des Dunkels – und zu einem Lauschen in die Tiefe.

Spiritual – He Never Said a Mumblin’ Word
Nach dem ersten Impuls

Nach dem ersten Impuls nimmt dieses Spiritual das Motiv des schweigenden Leidens auf. In schlichter Form erinnert es daran, dass Christus das Leiden nicht mit großen Worten beantwortet, sondern es schweigend trägt. So wird die Musik zu einer stillen Betrachtung der Passion – schlicht, ernst und von großer innerer Kraft.

Spiritual – Were You There When They Crucified My Lord?
Nach den Gedichten, vor den Fürbitten

Mit der alten Frage „Were you there?“ rückt dieses Spiritual das Geschehen von Golgatha nicht in weite Vergangenheit, sondern nah an die Hörenden heran. Es fragt nicht nur nach historischem Erinnern, sondern nach innerer Anteilnahme. An dieser Stelle der Andacht wird die Musik so zu einer Brücke von der Betrachtung zum Gebet.

Gottesdienst an Palmsonntag 2026

Musikalische Gedanken zum Gottesdienst: Salbung, Weg und Bitte


Im Gottesdienst an Palmsonntag erklingen drei Stücke, die auf unterschiedliche Weise das Thema des Tages aufgenommen haben: den Weg Jesu nach Jerusalem, die Salbung in Bethanien und die Spannung zwischen Hingabe, Liebe und kommender Passion.


Während der Predigt bzw. im Zusammenhang mit der Salbung mit Nardenöl erklingen zunächst „The Rose“ und „Fields of Gold“.


„The Rose“ wirkt mit seiner schlichten, liedhaften Melodie zunächst fast zart. Gerade darin liegt seine Kraft. Das Lied spricht von Verletzlichkeit und von der Hoffnung, dass im Verborgenen bereits neues Leben angelegt ist. Im Zusammenhang mit der Salbung in Bethanien konnte es an jene stille, kostbare Geste erinnern, die mehr ahnt als erklärt: Liebe, Hingabe und die Bereitschaft, etwas Wertvolles nicht festzuhalten, sondern zu verschenken.


Auch „Fields of Gold“ fügte sich in diesen Zusammenhang auf besondere Weise ein. Das Bild der goldenen Felder weckt Weite, Erinnerung und eine leise Melancholie. Zugleich liegt darin Wärme und Schönheit. So wurde das Stück zu einem musikalischen Raum der Sammlung: nicht laut, nicht auftrumpfend, sondern offen für jene stille Tiefe, die Palmsonntag bereits mit der Karwoche verbindet.


Zum Auszug erklingt „Abide with me“.


Dieses Lied ist von großer Innigkeit getragen. Es ist eine Bitte um Nähe und Begleitung gerade dort, wo Dunkelheit, Abschied und Unsicherheit spürbar werden. Damit passt es in besonderer Weise zu Palmsonntag: Der Jubel des Einzugs nach Jerusalem steht bereits im Schatten des bevorstehenden Leidensweges. „Abide with me“ nimmt diese Spannung auf, ohne in Hoffnungslosigkeit zu führen. Es ist eine Musik des Vertrauens – schlicht, ernst und tröstlich.


So entstand zwischen den drei Stücken ein innerer Bogen:


Am Anfang Musik der Zartheit, Erinnerung und Hingabe – am Ende eine große, schlichte Bitte: Bleibe bei uns auf dem Weg.

Gottesdienst zum Thema Wasser am 15. 3. 2026 (Lätare)

Im Gottesdienst zum Thema Wasser erklangen zwei Stücke, die den Gottesdienst musikalisch rahmten:


Zu Beginn stand das Spiritual „Deep River“.

Dieses Lied ist von einer tiefen Sehnsucht getragen: Es spricht von der Hoffnung auf ein anderes Ufer, auf Frieden, auf Geborgenheit. Gerade in der Passionszeit passt diese Musik besonders gut, weil sie nicht vorschnell aufhellt, sondern die Tiefe und Ernsthaftigkeit des Weges spürbar macht. Zugleich liegt in ihr bereits ein leiser Hoffnungsschimmer – und damit auch etwas von der besonderen Stimmung des Sonntags Laetare, der mitten in der Fastenzeit einen ersten Lichtstreif sichtbar werden lässt.


Am Schluss des Gottesdienstes erklang „Bridge Over Troubled Water“ von Paul Simon.

Das Bild der Brücke über unruhigem Wasser wurde hier zum Ausdruck von Trost und Begleitung. Nach den Liedern, Gebeten und Gedanken des Gottesdienstes stand dieses Stück als musikalisches Zeichen dafür, dass wir auf den Wegen unseres Lebens nicht allein sind. Christlich gehört dazu die Hoffnung, dass Gott uns nicht aus allem herausnimmt, was schwierig ist, uns aber hindurch begleitet und trägt.


So bildeten beide Stücke einen inneren Bogen:

Am Anfang das Wasser als Tiefe, Sehnsucht und Verheißung – am Ende das Wasser als Bild für Anfechtung, über dem dennoch eine Brücke des Trostes gespannt ist.